Supermarkt ohne Verpackungen eröffnet in Berlin

Ein Supermarkt ohne Plastikfolien, Pappschachteln und PET-Flaschen? Keine Vision, sondern in Berlin bald Realität. Das Start-up Unternehmen „Original unverpackt“ hat innerhalb eines Tages in einer Crowdfunding-Kampagne mehr als 20 000 Euro gesammelt. Etwa 1308 Follower auf Twitter (Stand 14.07.) und über 32 000 Facebook-Fans unterstützen das Projekt.

TeaserbildRebeccaRohmederFeierabend –  und im Kühlschrank wieder einmal gähnende Leere. Schnell noch in den nächsten Supermarkt. Die Gemüseabteilung lockt mit eingeschweißten Gurken, abgepackten Erdbeeren und Salat mit Einweggabel für den Snack zwischendurch. Zuhause werden Reis, Nudeln und Co. erst einmal ausgepackt und in Glasgefäße gefüllt. Das sieht schöner aus. So ähnlich läuft es tagtäglich in vielen deutschen Haushalten ab. Das Ergebnis: Kaum ist die Wertstofftonne geleert, quillt sie auch schon wieder über. Rund 471 Kilogramm Haushaltsabfall produzierte jeder Einwohner 2012 in Bayern. In Baden-Württemberg lag die Pro-Kopf-Menge 2011 bei 448 Kilogramm. Ein Großteil davon besteht aus Verpackungen für Lebensmittel. Doch lässt sich der Verpackungswahn vermeiden?

Verzicht auf Verpackungen

„Original unverpackt“ – so nennt sich der künftige Supermarkt in Berlin. Dieser will ganz ohne Folien, Kartonschachteln oder Plastikbecher auskommen. Die Kunden bringen ihre eigenen Behälter, Dosen oder Flaschen mit und kaufen nur die Ware. Diese kommt aus der Region. Die Idee für den verpackungsfreien Supermarkt stammt von den Gründerinnen Sara Wolf und Milena Glimbovski aus Berlin. Mit einer Crowdfunding-Aktion sammelten die beiden online Geld für ihr erstes Lebensmittelgeschäft. Rund 4000 Leute unterstützen das Projekt der beiden mit 115.000 Euro (Stand: Juli 2014). Die Eröffnung der ersten Filiale im Stadtteil Kreuzberg ist damit gesichert.

Wie funktioniert Einkaufen ohne Verpackung?

Die Geldmünze in den Einkaufwagen stecken und los geht’s in eine Welt ohne bunte Schriftzüge, hochglanzfotografierte Serviervorschläge und Mogelpackungen. Stattdessen greift der Kunde zu seinen mitgebrachten Glasgefäßen, Tupperdöschen und Flüssigkeitsbehältern. Diese werden am Eingang gewogen. Wie auf dem Erdbeerfeld. Danach kann jeder selbst die gewünschte Menge mit Hilfe von Spendern oder Schüttern auffüllen. Zum Schluss heißt es: wiegen, bezahlen und ab nach Hause.

Spontanes Einkaufen mit 20 Glasbehältern ?

Der Kunde zahlt für den Rohstoff, nicht für das Äußere. Er wird nicht durch Luftverpackungen an der Nase herumgeführt und Kinder rasten an der Kasse nicht aus – es gibt keine bunten Schokoriegel, die unbedingt gekauft werden wollen.
Bei all den Vorteilen hat der verpackungsfreie Einkauf auch seine Stolpersteine. Er muss geplant werden. Einfach ohne Tupperware losrennen und spontan einkaufen ist zwar möglich, aber umständlicher. Denn der Supermarkt bietet die Möglichkeit, Behälter gegen Pfand auszuleihen. Wer zu Glasbehältern greift, wird spätestens beim Schleppen in den vierten Stock feststellen: Plastik ist deutlich leichter.

Doch ist Einkaufen im Mehrweg-Supermarkt nicht zwangsläufig teurer? „Nein, nicht unbedingt. Wir streben normales Supermarktniveau an, wie REWE zum Beispiel. Verpackung macht ungefähr 20 Prozent des Preises aus und diese fällt bei uns weg“, sagt „Original unverpackt“-Mitbegründerin Sara Wolf.

Funktion von Plastikumhüllungen

Verpackungen haben natürlich auch ihre Vorteile: Die Waren sind hygienisch und sauber verpackt und leicht zu identifizieren. Käufer definieren sich über verschiedene Marken, die sie erwerben. Für die einen kommt nur „Coca Cola“ in Frage, für die anderen „Nutella“ anstatt einer No-Name-Nussnugat-Creme. Dieser Mechanismus entfällt bei verpackungsfreien Lebensmittelgeschäften.

Frank Krier, Leiter von Marketing und Vertrieb des Verpackungsherstellers BayPack, kann die Bedenken gegen die Verpackungsflut verstehen, sieht aber auch die Vorteile von Verpackungen. „Durch die richtigen Verpackungen wird der Lebensmitteltransport und die Haltbarkeit beispielsweise von Käse über drei bis vier Wochen erst machbar“, sagt Krier. Für ihn müssen Verpackungen nicht immer ressourcenverschwendend sein, sondern haben durchaus ihre Berechtigung, wenn man es richtig macht. BayPack achtet beispielsweise bei der Entwicklung und Produktion von Verpackungen darauf, Material einzusparen und verwendet für seine Transport- und Regalverpackungen Vollpappe. Diese besteht zu 85 Prozent aus recyceltem Altpapier.

Doch gerade Plastikverpackungen haben ihre Tücken. So schlagen Lebensmittelchemiker beispielsweise Alarm. In vielen Plastikverpackungen verbergen sich mitunter Schadstoffe wie der Weichmacher Diethylhexylphthalat, kurz DEHP. In Kinderspielzeug haben Experten diesen bereits verboten. Die Toxikologin beim Umweltbundesamt, Marike Kolossa-Gehring, erklärt: „Bestimmte Weichmacher in Verpackungen können unsere Gesundheit gefährden. Diese wirken ähnlich wie Hormone und stören unsere hormonellen Abläufe.“

Das Problem ist, dass Knisterfolien und Co. keine Auskunft darüber geben, was in ihnen enthalten ist und was letztendlich auf unser Essen übertragen wird. Lediglich ihre Umweltverträglichkeit wird gekennzeichnet.

Regional, biologisch und nachhaltig

Die Idee, Lebensmittel ohne Verpackung zu verkaufen, ist nicht neu. Seit Februar dieses Jahres gibt es einen solchen Mehrwegsupermarkt in Kiel. In Amerika versorgt in.gredients umweltbewusste Bürger seit August 2012 mit Produkten aus der Region –  ohne Verpackung. Ob sich der Trend in Deutschland weiter fortsetzt, wird sich zeigen. Im Internet hat das Model „Anti-Verpackung“ eine Welle der Begeisterung losgetreten. Gut ist das Konzept für unsere Ressourcen und unsere Umwelt allemal.

 

Umfrage: Mit Verpackung oder ohne? 

Können sich die Ulmer Bürger vorstellen, bei einem verpackungsfreien Supermarkt einzukaufen? Rebecca Rohmeder hat sich umgehört.

 

 

 

Rebecca Rohmeder

Skandinavien-Fan, stets die Ruhe selbst mit einer Vorliebe fürs Schreiben und Zimtschnecken. Hallo, ich bin Rebecca Rohmeder und studiere Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation im 5. Semester an der Hochschule Neu-Ulm. Mathe konnte ich nie, dafür hat das Schreiben immer ganz gut geklappt. Um meine Schreiberling-Kenntnisse zu verbessern, hab ich mich für das Wahlpflichtfach Crossmedia und diesen Blog entschieden.