Google doch mal, Oma

Meine Oma hütet einen ganz besonderen Schatz: Deutsche Wörter, die in Vergessenheit geraten oder es schon längst sind.

Nachhaltigkeit der deutschen Sprache - 01“Der deutsche Wortschatz” – das klingt übertrieben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sich der Duden nicht nur mit neuen Wörtern füllt, sondern sich auch der Begriffe entledigt, die in die Jahre gekommen sind. 5000 neue Wörter haben im Juli 2013 den Kampf um einen begehrten Platz in der 26. Dudenauflage für sich entschieden, erklärt der Verlag Bibliographische Institut bei der Online-Beschreibung seines  Nachschlagewerkes. “Flashmob”, “Spacko”, “Digital Native”, “Facebook” und “Shitstorm” haben dabei Staubfänger wie “Telekrat” und “Buschklepper” verdrängt.

In Anbetracht der vielen Anglizismen könnte die Überschrift, die den renommierten gelben Wälzer ziert, schon fast albern wirken: „Duden: Die deutsche Rechtschreibung.“ Die  Anglizismen sind der Grund, weshalb der VDS, der Verein deutsche Sprache e. V., das Wörterbuch zum “Sprachpanscher des Jahres 2013″ gekürt hat. Dieser Preis wird jährlich für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache vergeben. Hält man sich aber vor Augen, dass der Duden unseren Sprachgebrauch letztendlich nur versucht, objektiv abzubilden und keineswegs neu erfindet, sollten wohl eher einige Medien und Politiker mit dem Negativpreis ausgezeichnet werden.

Eine Vielzahl der Duden-Neulinge kommt aus der Internet- und der Medienwelt. Aber auch die Finanz- und Politiksparte mischt mit „Eurobonds“ und „Arabellion“ kräftig mit.

Das Prinzip, das darüber entscheidet, ob ein Wort in den Duden aufgenommen wird oder nicht, ist mit einem gut geführten Supermarkt zu vergleichen. Produkte, die viel gekauft werden, füllen weiterhin die Regale, Ladenhüter werden verbannt. Diese Wortauswahl übernimmt das Gedächtnis der deutschen Sprache, das Duden Korpus. In diesen Datenspeicher fließen Tausende Texte aus Zeitungen, Zeitschriften, Romanen, Reden, Interviews und Gebrauchsanweisungen. Aufgabe der Dudenredaktion ist es, die Wörter auf Verbreitung, Häufigkeit und Dauer zu prüfen und letztendlich über Aufnahme oder Rauswurf eines Wortkandidaten zu entscheiden.

Der Duden reflektiert unseren Sprachgebrauch und setzt sich keinesfalls aus einer willkürlichen Wortauswahl von Fanatikern der englischen Sprache zusammen. Will man Wörter erhalten, muss man sie gebrauchen. Jeder kann im Gespräch oder in Texten Begriffe wie „alte Kamellen“ oder „töricht“ verwenden und damit ein Stück unserer Sprachkultur bewahren.

Anja Mueller

Anja Müller heißt sie und ist 25 Jahre jung.
Wenn einem die Zeit fehlt, einen Brief kurz zu halten, dann sollte man schreiben – aus diesem Grund habe ich mich für den Schwerpunkt crossmedialer Journalismus an der Hochschule Neu-Ulm entschieden. Neben der studentischen „must have“ Beschäftigung, dem Lesen, restauriere ich in meiner Freizeit Omas alte Möbelstücke. Da die Ergebnisse eher mäßig sind, haben leider erst wenige meiner “kreativen“ Arbeiten einen Platz gefunden. Ansonsten tanze ich gerne und genieße gemütliche Kochabende mit Freunden.