Die Wahl-O-Mat-Macher

Die Thesen für den Wahl-O-Mat arbeiten Jugendliche zwischen 18 und 26 Jahren in einem mehrtätigen Workshop aus. Für das Seminar können sich Interessierte über ein Online-Formular auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bewerben. Thomas, Fabian und Max waren erfolgreich. Sie haben die Thesen für den Wahl-O-Mat 2013 mitentwickelt. Wir haben sie zu ihrer Arbeit befragt.

Thomas Andonie (22), Themengruppe „Finanzen und Wirtschaft“

Wohnort: Weiden in der Oberpfalz; Studiengang: Dualer Studiengang Staatsfinanzen beim Freistaat Bayern; Hobbies: Volleyball, Karate, Geschichtsforschung, Jugendarbeit und Lesen; Motto: „Die Politik muss ihrem Volk mehr (verständliche) Information zur Verfügung stellen. Verstehen schafft Verständnis.“

thomas-andonieWas war das Schwierigste an der Redaktionsarbeit für den Wahl-O-Mat?

Thomas: Die Auswahl der Thesen war nicht einfach. Man konnte nicht immer auf die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen eingehen, sondern musste Themen finden, bei denen die Parteien kontroverse Meinungen vertreten und sich damit stark voneinander abgrenzen. Beispielsweise wird die Umsetzung der Inklusion (behinderte und nicht-behinderte Kinder lernen gemeinsam in einer Schulklasse) sehr stark in der Öffentlichkeit diskutiert. Da sich nahezu alle Parteien dafür aussprechen und somit einer Meinung sind, eignet sich eine Frage über Inklusion für den Wahl-O-Mat nicht.

Was hat dir am meisten Spaß bereitet?

Thomas: Die differenzierte Arbeit und die inhaltliche Tiefe der Diskussionen über einzelne Thesen fand ich sehr gut. Die Redaktion hatte in ihrer Gesamtheit ein gigantisches Detailwissen in nahezu allen Bereichen. Außerdem herrschte ein sehr entspanntes, offenes und kollegiales Klima, das auch einen konstruktiven und reflektierten Dialog ermöglichte.

Hat deine Mitarbeit am Wahl-O-Mat deine Sicht auf die Politik verändert? 

Thomas: Der Wahl-O-Mat bot mir einen anderen Blickwinkel auf die Parteienlandschaft in Deutschland. Normalerweise hat man zuerst eine eigene Ansicht und vergleicht dann die Parteiprogramme damit, um die passende politische Haltung herauszusuchen. Beim Wahl-O-Mat betrachtet man zuerst die Positionen der Parteien und leitet davon die Thesen ab. So setzt man sich sehr aktiv mit den einzelnen Wahlprogrammen, auch mit denen der kleinen Parteien, auseinander.

Warum sollten junge Menschen wählen gehen?

Thomas: Wer wählt, wirkt mit! Als ich noch jünger war und noch nicht wählen durfte, hat es mich immer sehr gestört, dass Menschen Entscheidungen trafen, mit denen ich nicht einverstanden war – nicht nur in der Politik. Diese Möglichkeit der Mitsprache darf nicht ungenutzt bleiben, vor allem junge Menschen müssen angesichts einer alternden Gesellschaft politisch tätig sein. Jede Stimme zählt!

Fabian Schiffelholz (22), Themengruppe „Innenpolitik, Staat und Gesellschaft“

Wohnort: Eichstätt; Studiengang: Politikwissenschaft im deutsch-französischen Studiengang der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt und Sciences Politiques Rennes; Hobbies: Fußball (aktiv und passiv), Reisen, Lesen, Internet; Motto: Bürger allgemein, junge Wähler aber im Besonderen, sollten ihre Chance wahrnehmen, die Entwicklung der Zukunft mitzugestalten.“

fabian-schiffelholzWie viele Stunden am Tag wart ihr mit der Erarbeitung der Thesen beschäftigt?

Fabian: Der Workshop dauerte ein Wochenende. Er begann am Freitag um 14 Uhr und endete am Sonntag etwa zur selben Zeit. Am Freitag haben wir von 14 Uhr bis 21 Uhr gearbeitet, am Samstag von 9 Uhr bis 18 Uhr und am Sonntag von 9.15 Uhr bis 14 Uhr.

Was war das Schwierigste an der Thesenerstellung?

Fabian: Vor allem anfangs war es schwierig, im Blick zu behalten, dass es nicht darum ging, die Themen inhaltlich zu diskutieren, sondern nur zu analysieren, ob sie geeignet sind, die Positionen der verschiedenen Parteien klar voneinander abzugrenzen. Zudem steht man natürlich auch vor dem Problem, dass viele Themen grundsätzlich relevant scheinen, die Sachverhalte aber so komplex sind, dass es schwierig ist, dazu in einem oder zwei Sätzen eine kurze und verständliche These zu formulieren, die trotzdem noch inhaltlich aussagekräftig ist.

Was hat dir am meisten Spaß bereitet?

Fabian: Es war eine tolle Erfahrung mit Leuten meines Alters aus dem gesamten Bundesgebiet ganz verschiedene Themen konstruktiv zu diskutieren und mitzuerleben, wie ein – mittlerweile doch sehr bekanntes – Tool entsteht.

Warum sollten junge Menschen wählen gehen?

Fabian: Ich bin der Ansicht, dass die Bürger durch Partizipation entscheidend zum Erfolg einer Demokratie beitragen.

Max Haslböck (20), Themengruppe „Bildung und Soziales“

Wohnort: Freiburg im Breisgau; Studiengang: Politikwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; Hobbies: Sport jeglicher Art, Lesen, Reisen, Sprachen lernen, mit Freunden weggehen; Motto: Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes. Die funktioniert aber nur dann, wenn das Volk seine Rolle auch wahrnimmt  – also geht wählen!“

max-haslboeckWas hältst du vom Wahl-O-Mat?

Max: Hinter dem Wahl-O-Mat steckt ein durchdachtes Konzept, das gut umgesetzt wurde. Ich denke, dass er tatsächlich eine Möglichkeit darstellt, gegen Wahlmüdigkeit vor allem bei Jugendlichen anzukämpfen.

Warst du das erste Mal als Redaktionsmitglied beim Wahl-O-Mat mit dabei?

Max: Ja, das erste und hoffentlich nicht das letzte Mal.

Was hat dir daran am meisten Spaß bereitet?

Max: Zu sehen, wie wir uns von zuerst noch wenig konkreten und vor allem zu vielen Thesen auf 90 prägnante einigen konnten und dass wir die Thesen wirklich selbstständig verfassen durften.

Jungen Leuten wird oft „Politikverdrossenheit“ und mangelndes Interesse an der Politik vorgeworfen. Kannst du das bestätigen?

Max: Nein, dem muss ich absolut widersprechen! Ich erlebe mein Umfeld als sehr interessiert und engagiert. Meiner Meinung nach liegt das auch unserer Generation, die ist meiner Meinung nach so gut organisiert, wie noch keine zuvor, vor allem im Studium.

Warum sollten junge Menschen wählen gehen?

Max: Das lässt sich ganz einfach aus der Bedeutung des Wortes Demokratie herleiten. „Demos“ ist das Volk und „Kratía“ die Herrschaft, zusammen genommen also die Herrschaft des Volkes. Die Herrschaft des Volkes funktioniert nur dann, wenn das Volk diese Rolle auch wahrnimmt. Nur so kann man was bewegen und verändern – also geht wählen!

 

Jessica Olbrich

Ich heiße Jessica Vanessa Olbrich und bin 23. Ich wollte schon immer Journalistin werden. Von der Medienkrise verunsichert, entschied ich dann, mich etwas „breiter aufzustellen“. Nun studiere ich im 6. Semester Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation – mit Schwerpunkt Crossmedialer Journalismus. In meiner Freizeit bin ich als „rasende Reporterin“ für die Donau-Zeitung, einer Heimatausgabe der Augsburger Allgemeinen, in „Wort und Bild“ tätig. Daneben reise und lese ich gern.