Der Wahl-O-Mat

38 politische Thesen zu verschiedenen Themen, vier Antwortmöglichkeiten, alle zur Wahl zugelassenen Parteien – das ist der Wahl-O-Mat. Mit dem Frage-und-Antwort-Tool der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) kann jeder herausfinden, welches Wahlprogramm am ehesten mit den eigenen politischen Einstellungen übereinstimmt – und das ohne langwierig die Wahlprogramme der einzelnen Parteien zu studieren.

Wahl-O-Mat-titelNachdem alle Thesen mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“, „neutral“ oder „These überspringen“ beantwortet wurden, werden die eigenen Antworten mit denen der einzelnen Parteien abgeglichen und der Grad der Übereinstimmung errechnet. Am Ende erhält man eine Rangliste der Parteien, deren Wahlprogramm am ehesten zu den eigenen Einstellungen passt.

Bei der letzten Bundestagswahl wurde der Wahl-O-Mat mehr als 6,7 Millionen Mal genutzt, seit seinem Start 2002 rund 24 Millionen Mal. Dabei ist mehr als ein Drittel der Nutzer unter 30 Jahre alt. Knapp neun von zehn hatten bereits vor der Nutzung des Wahl-O-Mat eine klare Position. Bei mehr als 90 Prozent von ihnen entsprach das Ergebnis, das der Wahl-O-Mat errechnete,  tatsächlich exakt oder zumindest annähernd dem persönlichen politischen Standpunkt. Neben dem Frage-Antwort-Spiel kann der Wahl-O-Mat noch mehr: Er zeigt, wer überhaupt zur Wahl steht, wie die Parteien ihre Antworten zu den Thesen begründen und liefert Fakten zur Wahl im Allgemeinen sowie Hintergrundinformationen.  Im Internet gibt es eine ausführliche „Step-by-Step-Anleitung“ mit Screenshots und einer Übersicht dessen, was der Wahl-O-Mat bietet.

Die Idee ist nicht neu

Zwar wurde der deutsche Wahl-O-Mat erst 2002 entwickelt, die Idee dahinter ist jedoch nicht neu. Das Tool ist eine Adaption des niederländischen „StemWijzer“, der dort seit 1989 eingesetzt wird. Wissenschaftlich begleitet und erforscht wird der Wahl-O-Mat von und an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf unter der Leitung von Professor Dr. Stefan Marschall. Neben dem Erstellen der Thesen kümmert er sich um die Nutzerumfrage nach den Wahlen.

Diese Umfrage ergab, dass der typische Wahl-O-Mat-Nutzer „formal hoch gebildet“ und um einiges jünger als der Durchschnitt der Bevölkerung ist. Zudem sind die Anwender vor der Nutzung des Wahl-O-Mat ohnehin politisch sehr interessiert. Dies wirft natürlich die Frage auf, ob mit dem Tool tatsächlich die breite Bevölkerung erreicht werden kann – unabhängig von Alter, Bildungsstand und vorherigem politischen Interesse.  Darüber hinaus gibt es immer wieder Fragen, ob auch wirklich alle Parteien gleichermaßen berücksichtigt werden. Kritisiert wird, dass man Thesen überspringen kann. Grundsätzlich ist der Wahl-O-Mat ein Instrument, um sich zu informieren und zu orientieren. Das Entscheiden kann er letztendlich nicht für einen übernehmen.

Wie der Wahl-O-Mat entsteht

Wahl-O-Mat-RedaktionsraumDie Thesen des Wahl-O-Mat werden im Rahmen eines dreitägigen Workshops Anfang Juni in Köln entwickelt. Daran beteiligt waren Jugendliche aus Schule, Ausbildung und Studium, sowie Politikwissenschaftler, Pädagogen, Statistiker, Designer, IT-Fachleute und Journalisten. Für das Seminar konnten sich alle Interessierten zwischen 18 und 26 Jahren über ein Online-Formular auf der Homepage der bpb bewerben. Teilnahmevoraussetzung war, dass die Jungredakteure wahlberechtigt und weder Mandats- noch Funktionsträger einer politischen Partei waren. Von den mehr als 300 Bewerbungen wurden schließlich 25 junge Menschen anhand eines 400 Zeichen umfassenden Motivationsschreibens ausgewählt.

Am Freitag berichten drei Jungredakteure von ihrer Arbeit am Wahl-O-Mat.

 

Jessica Olbrich

Ich heiße Jessica Vanessa Olbrich und bin 23. Ich wollte schon immer Journalistin werden. Von der Medienkrise verunsichert, entschied ich dann, mich etwas „breiter aufzustellen“. Nun studiere ich im 6. Semester Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation – mit Schwerpunkt Crossmedialer Journalismus. In meiner Freizeit bin ich als „rasende Reporterin“ für die Donau-Zeitung, einer Heimatausgabe der Augsburger Allgemeinen, in „Wort und Bild“ tätig. Daneben reise und lese ich gern.