Am Stammtisch der Piraten

Die Piraten hatten ursprünglich nur einen Punkt auf ihrer Agenda: Das Urheberrecht. Doch mit dem Einzug in mittlerweile vier Landesparlamente musste sich die 2006 gegründete Nischenpartei breiter aufstellen. Trotzdem hält sich das Wissen über die Piratenpartei und ihr Wahlprogramm in Grenzen. Dabei gibt es sogar eine Fraktion im konservativen Biberach. 

Stammtisch-LaupheimIn Laupheim bei Biberach  setzen sich die Piraten jeden zweiten Samstag im Café „Milch und Zucker“ bei Kaffee und Kuchen zusammen. Kommen kann jeder, der sich für die Piraten interessiert oder einfach mitdiskutieren möchte.

Egal, ob es um den Twitter-Kanal, das Wiki der Partei oder die Vorbereitungen für die anstehende Bundestagswahl geht – alle Themen werden gemeinsam besprochen. Bei den Biberacher Piraten geht es – anders als bei vielen Debatten der Partei in den Medien – ruhig zu. Jeder bringt sich ein und wird angehört. Die Meinung des Einzelnen zählt. Das ist auch der Grund, warum Beschlüsse oft länger brauchen. Die Mehrheit entscheidet. Dieses aufwändige Prozedere versteht die Mitmach-Partei unter Demokratie. Mit einem Nachteil: Bei aktuellen Ereignissen kann die Partei oft nicht schnell reagieren, da zunächst alle Mitglieder nach ihrer Meinung gefragt werden. Deshalb hüllen sich die Piraten erst einmal in Schweigen, bis später eine offizielle Pressemitteilung herausgeht, die die Meinung der Mehrheit widerspiegelt.

Plakat1Austausch über Mumble

Transparenz bedeutet  für die Piraten, dass alle Bürger barrierefrei auf sämtliche Informationen, die staatlich geregelte Stellen erstellen, zugreifen können – sofern sie damit keine Persönlichkeitsrechte verletzen. So fordert die Piratenpartei beispielsweise, dass Nebeneinkünfte von Politikern offengelegt werden. „Die reden jetzt alle von Transparenz, wissen aber gar nicht, was das eigentlich bedeutet. Das haben wir schon bewirkt, obwohl wir noch nicht im Parlament sind“, sagt Berthold Weber, stellvertretender Vorsitzende des Bezirksverbands Tübingen. Alle Informationen zu Parteiaktivitäten und -programm werden so aktuell wie möglich in einem Wiki bundesweit zugänglich gemacht.  So weiß jedes Mitglied, was sich in den einzelnen Bezirken abspielt. Erst wenn alle Informationen frei verfügbar seien, könnten Bürger in einer Partei „mitmachen“ und Entscheidungen treffen. Abends treffen sich Parteimitglieder über die Sprachkonferenzsoftware „Mumble“ in unterschiedlichen virtuellen Konferenzräumen. An diesen Treffen können  auch Außenstehende teilnehmen. Wer reinhören möchte, findet hier alle Infos.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Oft wird den Piraten vorgeworfen, nur online zu existieren. Spätestens, wenn ein Parteimitglied am Stammtisch mit seinem Wiki-Nicknamen angesprochen wird und den realen Namen seines Gegenübers gar nicht kennt, entsteht der Eindruck, dass diese Vorwürfe berechtigt sind.  Andererseits gibt es Mitglieder, die nicht einmal ein Smartphone besitzen. Kurz vor der Bundestagswahl ist auch für die Piraten wichtig, offline Präsenz zu zeigen. Im Wahlkreis werden sie Plakate kleben und Informationsveranstaltungen organisieren. Doch wie erfolgreich diese Aktivitäten, bei denen sie für das „bedingungslose Grundeinkommen” und die „Entkriminalisierung von Drogen” werben, in der eher konservativ geprägten Region sind, ist fraglich.

Informationen zum Wahlprogramm:
http://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2013/Wahlprogramm

Tina Schumacher

Tina Schumacher, 23, 6. Semester Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation an der Hochschule Neu-Ulm.
Ich interessiere mich sehr für Onlinejournalismus und habe mich deshalb dazu entschlossen, diese Vorlesung zu belegen. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit einem guten Buch oder Musik.

Sandra Nitschke

Sandra Nitschke, 31, studiert im 6. Semester Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation. Bisher wenig Berührungspunkte im journalistischen Bereich. In der Freizeit geht’s raus in die Natur, zum Sport oder an den Pokertisch.